Fünf Expert:innen aus Industrie, Wissenschaft und Kreislaufwirtschaft stehen in der neuen Batterierecyclinganlage von Saubermacher und Meinhardt in Ginsheim-Gustavsburg. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten sie über Batterierecycling, Rohstoffsicherung, Kreislaufwirtschaft und den Ausbau europäischer Recyclingkapazitäten.© Saubermacher_Nitzke
16. Juni 2026

Wie Batterierecycling zum Spielmacher für Europa wird

Die Eröffnung der gemeinsamen Batterierecyclinganlage von Saubermacher und der Meinhardt Städtereinigung in Ginsheim-Gustavsburg setzt einen wichtigen Meilenstein für einen europäischen Batteriekreislauf. Neben der technischen Funktionsweise der Anlage stand bei der Eröffnung vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie Gesetzgeber, Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft zusammenarbeiten müssen, damit Batterierecycling verlässlich, sicher und wirtschaftlich tragfähig ausgebaut werden kann. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten Expert:innen aus Politik, Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft über gesetzliche Rahmenbedingungen, Rohstoffsicherung, Sammelquoten, Sicherheitsanforderungen und den Aufbau europäischer Recyclingkapazitäten.

Beteiligte Expert:innen

  • Andreas Opelt, CEO Saubermacher
  • Matthias Harms, CEO Strategic Waste Holding und kommissarischer Präsident des BDE
  • Elisabeth L’Orange-Jividen, Partnerin für Künstliche Intelligenz, Deloitte GmbH
  • Günther Apfalter, Aufsichtsratsvorsitzender VARTA AG
  • Roland Pomberger, Leiter Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben

„Kreislaufwirtschaft ist Teamplay“

Für Andreas Opelt ist erfolgreiches Batterierecycling nur möglich, wenn alle relevanten Akteur:innen zusammenwirken. Kreislaufwirtschaft ist kein Ziel einzelner Unternehmen oder der Politik allein, sondern erfordert klare gesetzliche Vorgaben, leistungsfähige Infrastruktur, sichere Prozesse und verlässliche Märkte für Sekundärrohstoffe.

Wer Batterien in Verkehr bringt trage Verantwortung dafür, dass Sammlung, Transport und Behandlung fachgerecht organisiert werden. Recyclingquoten, Qualität und Arbeitssicherheit seien dabei zentrale Voraussetzungen für Vertrauen, Wettbewerbsfähigkeit und stabile Rohstoffkreisläufe.

„Vorbildliche Gesetzgebung auf EU- und nationaler Ebene“

Matthias Harms verwies auf die EU-Batterieverordnung und das deutsche Batterie-Durchführungsgesetz. Beide Regelwerke schaffen Vorgaben für Sammlung, Rückgewinnung und den Einsatz von recycelten Materialien. Entscheidend ist aus seiner Sicht, dass diese Vorgaben praktisch umsetzbar sind und die technischen Voraussetzungen für hochwertige Sekundärrohstoffe geschaffen werden.

Die neue Anlage allein könne rund 5,4 % des deutschen Nickelbedarfs über Sekundärrohstoffe abdecken – ein konkretes Signal für Versorgungssicherheit und Kreislaufwirtschaft. Der Begriff „Sekundärrohstoff“ beschreibe jedoch lediglich die Herkunft und nicht die Qualität. Entscheidend sei, ob technische Voraussetzungen erfüllt würden.

„Ressourcenunabhängigkeit nur durch Zusammenarbeit“

Elisabeth L’Orange-Jividen sieht in grenzüberschreitender Zusammenarbeit einen wichtigen Ansatz, um Europas Abhängigkeit von Primärrohstoffimporten zu verringern. Die Anlage von Saubermacher und Meinhardt zeige, wie technische Kompetenz, operative Erfahrung und Kooperation dazu beitragen können, Batterierohstoffe aus Altbatterien zurückzugewinnen und wieder nutzbar zu machen.

Podiumsdiskussion bei der Eröffnung der Batterierecyclinganlage von Saubermacher und Meinhardt in Ginsheim-Gustavsburg. Vertreter:innen aus Industrie, Wissenschaft und Wirtschaft sprechen über Kreislaufwirtschaft, Rohstoffsicherung, Recyclingquoten und den Ausbau europäischer Batterierecyclingkapazitäten. © Saubermacher_Nitzke

„Disziplin und Kommunikation als Schlüssel“

Günther Apfalter betonte die Bedeutung von Disziplin, klarer Kommunikation und nachvollziehbaren Abläufen. Recyclinginitiativen können langfristig nur dann Akzeptanz gewinnen, wenn Verantwortlichkeiten, Qualitätsanforderungen und Prozessschritte verständlich und verbindlich geregelt sind.

„Menschen bleiben wichtigste Akteure im Batterierecycling“

Roland Pomberger hob zwei zentrale Herausforderungen hervor: die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe und die Verringerung von Brandrisiken in gemischten Abfallströmen. Werden Batterien getrennt gesammelt und fachgerecht behandelt, könne das dazu beitragen, Brandrisiken in Restmüll- und Sortierprozessen zu reduzieren.

Gleichzeitig bleibe die richtige Entsorgung durch Bürger:innen ein wesentlicher Faktor. Lithium-Ionen-Batterien gehören nicht in den Restmüll, sondern in die dafür vorgesehenen Sammelsysteme. Jede Batterie, die getrennt gesammelt und fachgerecht recycelt werde, scheide als potenzielle Brandquelle aus. Gleichzeitig warnte er, dass das Problem exponentiell zunehme. Derzeit findet man etwa doppelt so viele Lithium-Ionen-Batterien im Restmüll wie noch vor zehn Jahren.

Die Diskussion machte deutlich: Batterierecycling entfaltet sein Potenzial nur im Zusammenspiel von klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen, dokumentierten Umwelt- und Sicherheitsanforderungen, geeigneter Infrastruktur und dem Mitwirken von Bürger:innen, Industrie, Gesetzgeber und Wissenschaft. Die Anlage in Ginsheim-Gustavsburg trägt dazu bei, Recyclingkapazitäten auszubauen und Batterierohstoffe so weit wie möglich in den Kreislauf zurückzuführen.