
Wie Batterierecycling zum Spielmacher für Europa wird
Beteiligte Expert:innen
- Andreas Opelt, CEO Saubermacher
- Matthias Harms, CEO Strategic Waste Holding und kommissarischer Präsident des BDE
- Elisabeth L’Orange-Jividen, Partnerin für Künstliche Intelligenz, Deloitte GmbH
- Günther Apfalter, Aufsichtsratsvorsitzender VARTA AG
- Roland Pomberger, Leiter Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben
„Kreislaufwirtschaft ist Teamplay“
Für Andreas Opelt ist erfolgreiches Batterierecycling nur möglich, wenn alle Stakeholder zusammenwirken. Kreislaufwirtschaft ist für ihn kein alleiniges Ziel der Politik oder einzelner Unternehmen, sondern Teamplay. Neben klaren gesetzlichen Vorgaben bedarf es einer leistungsstarken Infrastruktur sowie eines verbindlichen Einsatzes von Sekundärrohstoffen. Derjenige, der Batterien in Verkehr bringt, müsse höchste Umwelt- und Arbeitssicherheitsstandards sicherstellen – Recyclingquoten und Qualität seien kein Beiwerk, sondern Fundament von Vertrauen in Unternehmen und Wettbewerbsfähigkeit.
„Vorbildliche Gesetzgebung auf EU- und nationaler Ebene“
Matthias Harms betonte, dass sowohl die EU-Batterieverordnung als auch das deutsche Batterie-Durchführungsgesetz klare Vorgaben zu Sammlung, Rückgewinnung und Verwendung von recycelten Materialien enthielten – und das ohne Schlupflöcher. Die neue Anlage allein könne rund 5,4 % des deutschen Nickelbedarfs über Sekundärrohstoffe abdecken – ein konkretes Signal für Versorgungssicherheit und Kreislaufwirtschaft. Der Begriff „Sekundärrohstoff“ beschreibt lediglich die Herkunft und nicht die Qualität. Entscheidend sei, ob technische Voraussetzungen erfüllt würden.
„Ressourcenunabhängigkeit nur durch Zusammenarbeit“
Elisabeth L’Orange-Jividen sieht in grenzüberschreitender Kooperation den Schlüssel, um Europas Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu verringern. Die neue Anlage zwischen Saubermacher und Meinhardt sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was technisch möglich sei, wenn Anspruch und Leistung gepaart werden.

„Disziplin und Kommunikation als Schlüssel“
Günther Apfalter forderte Disziplin und transparente Kommunikation auf allen Ebenen. Nur mit nachvollziehbaren Abläufen, festen Regelungen und eindeutiger Verbindlichkeit könne eine Recyclinginitiative Wirkung entfalten und langfristige Akzeptanz gewinnen – sowohl im öffentlichen Bewusstsein als auch am Markt.
„Menschen bleiben wichtigste Akteure im Batterierecycling“
Roland Pomberger stellte fest, dass die neue Anlage zwei drängende Herausforderungen angeht: Die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe als Beitrag zur Versorgungssicherheit Europas und die Reduktion des Brandrisikos in gemischten Abfällen. Jede Batterie, die getrennt gesammelt und fachgerecht recycelt werde, scheide als potenzielle Brandquelle aus. Gleichzeitig warnte er, dass das Problem exponentiell zunehme. Derzeit findet man etwa doppelt so viele Lithium-Ionen-Batterien im Restmüll wie noch vor zehn Jahren. Daher liegt es an jeder/jedem Bürger:in, ob Batterien getrennt entsorgt und recycelt werden – oder im Restmüll landen.
Die Diskussion zeigte eindrücklich: Ohne verbindliche gesetzliche Rahmenvorgaben, konsequente Umwelt- und Sicherheitsstandards sowie das Mitwirken aller – Bürger:innen, Industrie, Gesetzgeber und Wissenschaft – bleibt das Potenzial des Batterierecyclings unausgeschöpft. Diese Anlage ist nicht nur ein Standort – sie ist ein Zeichen dafür, dass Europa nicht nur recycelt, sondern dabei auch neue Maßstäbe setzt: in Technik, Sicherheit und Nachhaltigkeit.


