Lilian Klebow, Nunu Kaller, Tércio Pinto, Hans Roth, Gabriele Rigby und Andreas Opelt beim Talk über textile Kreisläufe und Recycling im Rahmen von Saubermacher auf der VIENNA FASHION WEEK.26 – © Saubermacher/Sabine Klimpt
21. September 2026 | PRESSEINFORMATION

Saubermacher auf der VIENNA FASHION WEEK.26: Was Textilrecycling jetzt braucht

Recycling am Runway: Saubermacher brachte als Partner der VIENNA FASHION WEEK.26 gemeinsam mit Designerin Gabriele Rigby (FRÖHLICH) Stoffe aus recycelten Textil­fasern auf den Lauf­steg. Im Vorfeld der Fashion Show diskutierten Expert:innen aus Produktion, Design, Nach­haltigkeit und Abfall­wirtschaft zu kreislauf­fähiger Mode. Fazit: Technische Lösungen für Textil­recycling sind bereits vorhanden. Damit sie in größerem Maßstab eingesetzt werden können, braucht es verlässliche Rahmen­bedingungen, Investitions­sicherheit und klare Ver­antwortlich­keiten entlang der gesamten Wert­schöpfungs­kette.

Der Handlungs­bedarf ist groß: 2025 fielen laut Boston Consulting Group in Europa rund 13,3 Millionen Tonnen Post-Consumer-Textil­abfälle an – etwa 25 Kilogramm pro Person [1]. Gleichzeitig stammt derzeit weniger als ein Prozent des globalen Faser­marktes aus Faser-zu-Faser-Recycling [2]. Die Lücke zwischen verfügbaren Alttextilien und ihrem Einsatz als Roh­stoff für neue Textilien ist damit weiterhin erheblich.

Wo Mode im Mittelpunkt steht, gehört Textilrecycling auf den Laufsteg

Die VIENNA FASHION WEEK.26 bot die ideale Bühne dafür. Gemeinsam mit Designerin Gabriele Rigby (FRÖHLICH) zeigte Saubermacher, wie aus aufbereiteten Recycling­fasern neue Stoffe für den Lauf­steg entstehen können. Im begleitenden Talk „Mode endet nicht. Sie beginnt neu.“ diskutierten Fair-Fashion-Aktivistin Nunu Kaller, Saubermacher-CEO Andreas Opelt, Textilrecycler Tércio Pinto von Refibertech und Gabriele Rigby unter der Moderation von Schau­spielerin und Aktivistin Lilian Klebow über die Voraussetzungen für funktionierende textile Kreis­läufe. Im Zentrum standen Produkt­design, Sortier- und Recycling­technologien sowie notwendige regulatorische Rahmen­bedingungen für den Ausbau der Infrastruktur.

Schauspielerin und Aktivistin Lilian Klebow, Designerin Gabriele Rigby und ein Model in einer Kreation ihres Labels FRÖHLICH auf dem Laufsteg bei Saubermacher auf der VIENNA FASHION WEEK.26 – © Saubermacher/Sabine Klimpt
Bei Saubermacher auf der VIENNA FASHION WEEK.26 gehen Schauspielerin und Aktivistin Lilian Klebow (links), Designerin Gabriele Rigby (Mitte) und ein Model (rechts) gemeinsam über den Laufsteg. Das Model präsentiert eine Kreation von Rigbys Modelabel FRÖHLICH. – © Saubermacher/Sabine Klimpt

Klare Spielregeln für mehr Investitionssicherheit

Der Talk machte deutlich: Für die Skalierung von Textil­recycling braucht es verlässliche Spielregeln. Viele dafür notwendige Schritte – recycling­gerechtes Produkt­design, eine erweiterte Hersteller­verantwortung, der Ausbau von Sortier- und Recycling­kapazitäten – sind in der EU-Textilstrategie bereits angelegt [3]. Entscheidend ist nun die Umsetzung: Damit textile Kreis­läufe in großem Maß­stab funktionieren können, müssen alle Be­teiligten ihren Beitrag leisten. Hersteller sind gefordert, textile Recycling­fähigkeit bereits bei Design, Materialwahl und Produkt­entwicklung zu berücksichtigen. Handel und Konsument:innen spielen eine wichtige Rolle bei Rück­gabe, Sammlung, bewussten Konsum­entscheidungen und Reuse. Die Recycling­wirtschaft wiederum muss geeignete Sortier- und Auf­bereitungs­lösungen für jene Textilien bereitstellen, die nicht mehr weiter­verwendet werden können. Gleichzeitig braucht es Investitions­sicherheit und faire Wettbewerbs­bedingungen, damit Unternehmen, die frühzeitig in ent­sprechende Lösungen investieren, daraus keinen Nachteil haben.

Heute schon an textiles Morgen denken

Saubermacher arbeitet mit Partnern aus Forschung, Handel, Textil­produktion und Recycling daran, Lücken im textilen Kreis­lauf zu schließen. Ein Schwer­punkt liegt auf der Materialsortierung: Erst wenn Zusammen­setzung und Farbe zuverlässig erkannt sind, lässt sich der passende Recycling­weg bestimmen. Er­kenntnisse aus laufenden Projekten fließen in die Planung einer Material­sortieranlage im Großraum Graz ein. Dort sollen nicht mehr nutzbare Textilien künftig automatisiert nach Material und Farbe getrennt und gezielt für unterschiedliche Recycling­wege vorbereitet werden. Ziel ist es, aus einzelnen Projekten belastbare Strukturen für größere Mengen zu entwickeln.

[1] Boston Consulting Group, “Advancing textile circularity. Europe’s textile waste surge: The case for system-level scale-up” (2026): https://circulareconomy.europa.eu/platform/en/knowledge/advancing-textile-circularity-europes-textile-waste-surge-case-system-level-scale

[2] Textile Exchange, Materials Market Report 2025 (2025): https://textileexchange.org/knowledge-center/reports/materials-market-report-2025/

[3] Die EU-Textilstrategie sieht unter anderem vor, dass bis 2030 alle in der EU auf den Markt gebrachten Textilien langlebig, reparierbar und recycelbar sind sowie zu einem großen Teil aus recycelten Fasern hergestellt werden. Mehr: EU-Textilstrategie

Stimmen aus dem Talk „Mode endet nicht. Sie beginnt neu.“:

Nunu Kaller, Textilexpertin und Fair Fashion Aktivistin, THINK kallerful: „Große Fast Fashion-Unternehmen werben oft mit Recycling-Materialien. Dabei handelt es sich aber meistens um Downcycling aus PET-Flaschen oder Ähnliches. Weniger als ein Prozent der Altkleidung wird tatsächlich recycelt. Die große Herausforderung ist dabei nicht der Recyclingprozess selbst, sondern die Sortierung der Altkleidung nach ihrer Materialzusammensetzung. Genau da setzt Saubermacher an. Die Projekte und Pläne von Saubermacher können in Europa ein echter Gamechanger sein. Schön, wenn ein Pionier im Kampf um eine saubere Modewelt aus Österreich kommt!“

Andreas Opelt, CEO Saubermacher: „Für Textilrecycling gibt es bereits konkrete technische Lösungen. Entscheidend ist jetzt, die Voraussetzungen zu schaffen, damit daraus ein funktionierender Markt entstehen kann. Dafür brauchen Unternehmen eine ambitionierte und die Kreislaufwirtschaft fördernde Regulierung und damit Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen und faire Wettbewerbsbedingungen. Gleichzeitig müssen alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette ihren Beitrag leisten – von Herstellern über Designer bis hin zum Recycling.“

Tércio Pinto, Refibertech: „So wie andere Unternehmen ihre Zulieferbetriebe haben, braucht es auch im Bereich des Textilrecyclings einen neuen Player am Markt: Entsorgungsunternehmen, die uns Recyclingbetrieben sortierte und aufbereitete Alttextilien zur Verfügung stellen, die wir dann zu neuen Fasern verarbeiten können. Auf EU-Ebene sind die notwendigen Gesetze bereits vorhanden – nationale Regierungen müssen diese nun rasch umsetzen, sodass neue Bestrebungen im Bereich Textilrecycling aktiv gefördert werden.

Gabriele Rigby, Designerin, Modelabel FRÖHLICH: „Für mich standen in der Designarbeit immer zwei Aspekte im Mittelpunkt: Kleidung soll sich gut anfühlen, bequem und alltagstauglich sein. Gleichzeitig ist es mir wichtig, vorhandene Ressourcen sinnvoll zu nutzen, anstatt laufend neue zu verbrauchen. Recyclingstoffe vereinen genau diese Eigenschaften. Sie sind weich, angenehm zu tragen und lassen sich sehr gut verarbeiten.“

Impressionen

Fotos in Druckqualität finden Sie auf Picdrop (© Saubermacher/Sabine Klimpt): Saubermacher Fashion Week Presse

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Junger Mann mit kurzen Haaren und verschränkten Armen sitzt in einem modernen Büro vor einem Tisch und lächelt in die Kamera – Fotocredit: Martina Majland