Eva-Maria Wurzer, Andreas Opelt, Phillip-Sebastian Marchl und Mathias Nell vor dem SALESIANER-Standort beim Start eines gemeinsamen Pilotprojekts für textile Kreislaufwirtschaft und Recycling von gewerblichen Alttextilien. © SALESIANER/Marcel Springsholz
19. Mai 2026

Saubermacher und SALESIANER: Vom Wäschestapel zum Rohstoff

Alttextilien stellen die Kreislaufwirtschaft vor besondere Herausforderungen. Gleichzeitig bieten Textilien aus dem professionellen Wäschereibereich – in Form von Arbeitskleidung sowie Wäsche aus Hotellerie und Gesundheitseinrichtungen – ein sehr großes Potenzial, neue Recyclinglösungen umzusetzen. Saubermacher und SALESIANER wollen in einem gemeinsamen zwölfmonatigen Pilotprojekt Alttextilien aus dem Miettextil- und Wäschereibereich sammeln, sortieren und Möglichkeiten entwickeln, den (Roh-)Stoffkreislauf zu schließen.

Materialmischungen, Verschleiß und Verschmutzungen erschweren die Wiederverwertung von Alttextilien aus dem professionellen Wäschereibereich. Gleichzeitig verfügen diese Textilströme über einen entscheidenden Vorteil: Sie fallen regelmäßig in planbaren Mengen an, mit hoher Transparenz hinsichtlich Materialarten und Nutzungszyklen. Genau hier setzt das gemeinsame Pilotprojekt von Saubermacher und SALESIANER an. Ziel der zwölfmonatigen Initiative ist die Entwicklung und Erprobung eines geschlossenen beziehungsweise teilgeschlossenen Textilkreislaufs.

Weniger Verbrennung, mehr stoffliche Verwertung

Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Potenziale in Textilien unterschiedlicher Qualität stecken und wie diese bestmöglich genutzt werden können. SALESIANER bringt im Projekt den direkten Zugang zu Alttextilien sowie umfassendes Know-how zu Materialarten, Produktinformationen und Nutzungszyklen ein. Saubermacher übernimmt die Bewertung der Textilien, die Sortierung und Materialbestimmung sowie die Koordination von Recycling- und Wiedereinsatzmöglichkeiten. Re-Use, also die Wiederverwendung von Alttextilien, hat im Sinne der Kreislaufwirtschaft natürlich Priorität, ist bei gewerblichen Textilien aber nur eingeschränkt möglich. Daher steht die Bewertung der Möglichkeiten, die Materialien wieder zu neuen Textilien zu verarbeiten, ebenso im Fokus wie der Einsatz in Produkten außerhalb der Textilindustrie. Denn nicht jedes Material kann wieder zu einem neuen Textil verarbeitet werden, und daher ist es umso wichtiger, alternative stoffliche Verwertungswege abseits der Verbrennung zu identifizieren.

Neue Einsatzfelder für gebrauchte Textilien sichtbar machen

Ein weiterer Schwerpunkt des Pilotprojekts liegt darauf, mögliche Abnehmermärkte für recycelbare Textilfraktionen zu identifizieren. Nicht jedes Material eignet sich für denselben Recyclingweg. Während Alttextilien bestimmter Qualitäten wieder in textile Anwendungen zurückgeführt werden können, bieten andere Fraktionen Potenzial für Open-Loop-Anwendungen1. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Basis für eine mögliche Skalierung und Markteinführung dienen. Gleichzeitig soll das Projekt Impulse für Industrie und Gewerbe liefern: Im Umlauf befindliche Materialien können zu neuen Rohstoffen werden – vorausgesetzt, passende Anwendungen und Abnehmermärkte werden frühzeitig mitgedacht. Zudem eröffnet eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie die Möglichkeit, bereits bei der Entwicklung neuer Textilprodukte Ansätze eines „Design for Recycling“ mitzudenken.

 

1Unter Open-Loop-Lösungen versteht man die Wiederverwendung von Faserqualitäten, die nicht zur Produktion von Garnen geeignet sind. Dazu zählen Produktgruppen wie Automotivzubehör, Dämmstoffe, Möbel oder Akustikpaneele.

Andreas Opelt, CEO Saubermacher: „Unser Ziel ist es, möglichst viele gebrauchte Textilien einer stofflichen Verwertung zuzuführen und damit neue Wege abseits der thermischen Verwertung aufzuzeigen. Dafür braucht es belastbare Daten, starke Partnerschaften und den Mut, bestehende Materialien neu zu denken. Gemeinsam mit SALESIANER schaffen wir eine wichtige Grundlage, um Recyclinglösungen für gewerbliche Textilströme praxisnah zu testen und weiterzuentwickeln.“

Eva-Maria Wurzer, Business Development Textilien Saubermacher: „Miettextilien aus dem professionellen Wäschereibereich sind ein besonders spannender Rohstoffstrom für die Kreislaufwirtschaft: Durch die kontinuierlich anfallenden und gut planbaren Mengen entstehen ideale Voraussetzungen, um Recyclinglösungen effizient umzusetzen. Wir wollen verstehen, welche Qualitäten sich für welche Anwendungen eignen und wo neue Abnehmermärkte entstehen können. Genau hier setzt das Pilotprojekt an: Es macht Potenziale sichtbar und lädt die Industrie dazu ein, Kreislaufwirtschaft aktiv mitzugestalten.“

Phillip-Sebastian Marchl, Geschäftsführer SALESIANER Österreich: Gewerblich genutzte Textilien haben lange Nutzungszyklen und hohe Qualitätsanforderungen. Umso wichtiger ist es, nachhaltige Lösungen für das Ende ihres Lebenszyklus zu entwickeln. Mit diesem Pilotprojekt wollen wir konkrete Grundlagen für eine funktionierende textile Kreislaufwirtschaft schaffen.“

Mathias Nell, Head of Sustainability & Grants SALESIANER: Textilrecycling zählt zu den großen Zukunftsthemen der europäischen Kreislaufwirtschaft. Ziel des Projekts ist es, belastbare Daten und praxistaugliche Modelle für eine spätere Skalierung zu entwickeln.“

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Junger Mann mit kurzen Haaren und verschränkten Armen sitzt in einem modernen Büro vor einem Tisch und lächelt in die Kamera – Fotocredit: Martina Majland