
Rotes Kreuz Niederösterreich und Saubermacher: Pilotprojekt für textile Kreislaufwirtschaft gestartet
Im Pilotprojekt geht es um Kleidungsstücke, die zwar den Qualitätsanforderungen der Henry Läden entsprechen, aber trotz mehrfacher Verkaufsversuche und verkaufsfördernder Maßnahmen wie etwa Preisreduktionen keine Abnehmer:innen finden. Erst wenn auch eine Weitergabe an lokale Sozialvereine oder eine Verwendung im Rahmen karitativer Hilfseinsätze, beispielsweise nach Hochwasserkatastrophen, nicht mehr möglich ist, werden die Textilien für das gemeinsame Pilotprojekt herangezogen. In der Testphase sind das rund 20 Tonnen unverkaufte Alttextilien aus Niederösterreich. Gemeinsam wollen das Rote Kreuz und Saubermacher geeignete stoffliche Verwertungswege für diesen Textilstrom entwickeln.
Vom Textilmix zum passenden Recycling
Reuse steht in der Abfallhierarchie im Sinne der Kreislaufwirtschaft an erster Stelle. Erst wenn alle Möglichkeiten zur Wiederverwendung ausgeschöpft sind, wird geprüft, welche Recyclingwege für den verbleibenden Textilmix infrage kommen – vom Einsatz in neuen Textilien bis zu Anwendungen außerhalb der Textilindustrie. Dafür analysiert Saubermacher nach eingänglicher Sortierung der Altkleidung zunächst die Zusammensetzung der Altkleidung und die enthaltenen Materialien. Anschließend wird geprüft, welche Fraktionen sich für ein Closed-Loop-Verfahren eignen. In solchen Verfahren werden Fasern aus Alttextilien so aufbereitet, dass sie erneut in textilen Anwendungen eingesetzt werden können. Nicht alle Textilien können jedoch zu neuem Garn verarbeitet werden. Dann kommen Open-Loop-Anwendungen infrage – etwa für Automobilzubehör, Dämmstoffe, Möbel oder Akustikpaneele. Nur wenn weder Wiederverwendung noch stoffliches Recycling – im Open- oder Closed-Loop-Verfahren – technisch oder wirtschaftlich sinnvoll möglich sind, erfolgt als letzte Stufe die thermische Verwertung.
Pilotprojekt liefert Daten für weitere Schritte
Das gemeinsame Vorhaben ist bewusst als 12-monatiges Pilotprojekt angelegt. Die untersuchten Materialzusammensetzungen und möglichen Recyclingwege werden dokumentiert, um belastbare Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Verwertungsmöglichkeiten für unterschiedliche Textilien aus den Henry Läden bestehen und wo technische oder wirtschaftliche Grenzen liegen. Für Kund:innen der Henry Läden sowie Spender:innen ändert sich durch das Pilotprojekt nichts: Der Wiederverkauf und damit die weitere Nutzung geeigneter Kleidungsstücke haben weiterhin Vorrang.
Henry Läden: Second-Hand mit Mehrwert
Seit der Eröffnung des ersten Standorts im Jahr 2013 in Baden hat sich das Netz der Henry Läden kontinuierlich erweitert. Mittlerweile gibt es 37 Standorte in ganz Niederösterreich. Im Sortiment finden sich Damen-, Herren-, Kinder- und Jugendbekleidung ebenso wie Schuhe, Taschen und Accessoires, an manchen Standorten auch Geschirr und Möbel. Durch Spenden und Einkäufe können Gegenstände länger genutzt werden; die Erlöse fließen in soziale Projekte der Gesundheits- und Sozialen Dienste der jeweiligen Rotkreuz-Bezirksstellen sowie in die Spontanhilfe.
Hans Ebner, Präsident Rotes Kreuz Landesverband Niederösterreich:„Als Rotes Kreuz Niederösterreich verhelfen wir gebrauchten Gegenständen und Bekleidung zu einem zweiten Leben. Mit unseren 37 Henry Läden schonen wir Ressourcen und schaffen gleichzeitig leistbare Mode für die Menschen in unserem Bundesland. Mit dem Pilotprojekt gehen wir nun einen wichtigen Schritt weiter: Wir wollen herausfinden, wie auch jene Textilien, die selbst nach mehrfachen Verkaufsversuchen keine Abnehmer:innen finden, künftig möglichst hochwertig im Kreislauf gehalten werden können.“
Andreas Opelt, CEO Saubermacher: „Kreislaufwirtschaft ist Teamplay und gelingt nur, wenn unterschiedliche Partner zusammenkommen. Das Rote Kreuz bringt jahrelange Erfahrung im Bereich Reuse mit, Saubermacher sein Know-how in Materialanalyse und Recycling. Im gemeinsamen Pilotprojekt wollen wir belastbare Daten gewinnen, welche Textilien sich für welchen Recyclingweg eignen und wo die technischen und wirtschaftlichen Grenzen liegen. Die gewonnen Erkenntnisse bringen uns der textilen Kreislaufwirtschaft wieder einen Schritt näher.“
Eva-Maria Wurzer, Business Development Textilien Saubermacher: „Die größte Herausforderung im Textilrecycling liegt in der Vielfalt der Materialien. Baumwolle, Polyester, Mischgewebe oder Fasern mit unterschiedlichen Qualitäten lassen sich nicht über einen einzigen Prozess verwerten. Mit dem Pilotprojekt schaffen wir eine belastbare Datengrundlage für diesen Textilstrom aus den Henry Läden. So können wir konkret einschätzen, welcher Anteil für Reuse, Closed-Loop- und für Open-Loop-Anwendungen geeignet ist.“
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