Textilrecycling Rotes Kreuz: Vertreter:innen von Rotem Kreuz Niederösterreich und Saubermacher vor einem Henry Laden beim Start eines Pilotprojekts für Textilrecycling und textile Kreislaufwirtschaft – © RK NÖ/M. Hechenberger
8. September 2026 | PRESSEINFORMATION

Rotes Kreuz Niederösterreich und Saubermacher: Pilotprojekt für textile Kreislaufwirtschaft gestartet

Was tun mit gespendeter Kleidung, die in Second-Hand-Shops keine Abnehmer:innen findet und auch anderweitig nicht wiederverwendet werden kann? Das Rote Kreuz Niederösterreich und das Entsorgungs- und Recyclingunternehmen Saubermacher gehen dieser Frage in einem gemeinsamen einjährigen Pilotprojekt nach. Saubermacher analysiert ausgewählte Textilien aus den 37 Henry Läden des niederösterreichischen Roten Kreuzes hinsichtlich ihrer Materialzusammensetzung und prüft, welche Möglichkeiten zur stofflichen Verwertung bestehen.

Im Pi­lot­pro­jekt geht es um Klei­dungsstücke, die zwar den Qua­litätsan­for­de­run­gen der Hen­ry Läden en­tsprec­hen, a­ber trotz meh­rfac­her Ver­kauf­sver­suc­he und ver­kaufsförder­nder Maßnah­men wie et­wa Preis­re­duk­tio­nen kei­ne Ab­neh­mer:in­nen fin­den. Erst wenn auch ei­ne Wei­ter­ga­be an lo­ka­le So­zial­ve­rei­ne o­der ei­ne Ver­wen­dung im Rah­men ka­ri­ta­ti­ver Hil­fseinsätze, beis­piel­swei­se nach Hoc­hwas­ser­ka­tas­trop­hen, nicht mehr möglich ist, wer­den die Tex­ti­lien für das ge­mein­sa­me Pi­lot­pro­jekt he­ran­ge­zo­gen. In der Tes­tpha­se sind das rund 20 Ton­nen un­ver­kauf­te Al­ttex­ti­lien aus Nie­deröster­reich. Ge­mein­sam wol­len das Ro­te Kreuz und Sau­ber­mac­her geeig­ne­te stof­flic­he Ver­wer­tun­gswe­ge für die­sen Tex­til­strom en­twic­keln.

Vom Textil­mix zum pas­senden Re­cyc­ling

Re­use steht in der Ab­fal­lhie­rar­chie im Sin­ne der Kreis­lauf­wir­tschaft an er­ster Stel­le. Erst wenn al­le Möglic­hkei­ten zur Wie­der­ver­wen­dung aus­geschöpft sind, wird geprüft, wel­che Re­cyc­lin­gwe­ge für den ver­blei­ben­den Tex­til­mix in­fra­ge kom­men – vom Ein­satz in neuen Tex­ti­lien bis zu An­wen­dun­gen außer­halb der Tex­ti­lin­dus­trie. Dafür a­na­ly­siert Sau­ber­mac­her nach eingänglic­her Sor­tie­rung der Al­tklei­dung zunächst die Zu­sam­men­set­zung der Al­tklei­dung und die en­thal­te­nen Ma­te­ria­lien. An­schließend wird geprüft, wel­che Frak­tio­nen sich für ein Clo­sed-Loop-Ver­fah­ren eig­nen. In sol­chen Ver­fah­ren wer­den Fa­sern aus Al­ttex­ti­lien so auf­be­rei­tet, dass sie er­neut in tex­ti­len An­wen­dun­gen ein­ge­setzt wer­den können. Nicht al­le Tex­ti­lien können je­doch zu neuem Garn ve­rar­bei­tet wer­den. Dann kom­men O­pen-Loop-An­wen­dun­gen in­fra­ge – et­wa für Au­to­mo­bil­zu­behör, Dämmstof­fe, Möbel o­der A­kus­tik­pa­nee­le. Nur wenn we­der Wie­der­ver­wen­dung noch stof­flic­hes Re­cyc­ling – im O­pen- o­der Clo­sed-Loop-Ver­fah­ren – tec­hnisch o­der wirt­schaf­tlich sin­nvoll möglich sind, er­folgt als let­zte Stu­fe die ther­mis­che Ver­wer­tung.

Pilot­projekt liefert Daten für weite­re Schrit­te

Das ge­mein­sa­me Vor­ha­ben ist be­wusst als 12-mo­na­ti­ges Pi­lot­pro­jekt an­ge­legt. Die un­ter­suc­hten Ma­te­rial­zu­sam­men­set­zun­gen und möglic­hen Re­cyc­lin­gwe­ge wer­den do­ku­men­tiert, um be­las­tba­re Er­ken­ntnis­se darüber zu ge­win­nen, wel­che Ver­wer­tungsmöglic­hkei­ten für un­ter­schied­lic­he Tex­ti­lien aus den Hen­ry Läden bes­te­hen und wo tec­hnis­che o­der wir­tschaf­tlic­he Gren­zen lie­gen. Für Kund:in­nen der Hen­ry Läden so­wie Spen­der:in­nen ändert sich durch das Pi­lot­pro­jekt nichts: Der Wie­der­ver­kauf und da­mit die wei­te­re Nut­zung geeig­ne­ter Klei­dungsstücke ha­ben wei­ter­hin Vor­rang.

Henry Läden: Second-Hand mit Mehr­wert

Seit der Eröffnung des er­sten Stan­dorts im Jahr 2013 in Ba­den hat sich das Netz der Hen­ry Läden kon­ti­nuier­lich er­wei­tert. Mit­tler­wei­le gibt es 37 Stan­dor­te in ganz Nie­deröster­reich. Im Sor­ti­ment fin­den sich Da­men-, Her­ren-, Kin­der- und Ju­gen­dbek­lei­dung e­ben­so wie Schu­he, Tas­chen und Ac­ces­soi­res, an man­chen Stan­dor­ten auch Ges­chirr und Möbel. Durch Spen­den und Einkäufe können Ge­genstände länger ge­nutzt wer­den; die Erlöse fließen in so­zia­le Pro­jek­te der Ge­sun­dheits- und So­zia­len Dien­ste der je­wei­li­gen Rot­kreuz-Be­zir­ksstel­len so­wie in die Spon­tan­hil­fe.

Hans Ebner, Präsident Rotes Kreuz Landes­verband Nieder­öster­reich:„Als Ro­tes Kreuz Nieder­öster­reich ver­hel­fen wir geb­rauc­hten Ge­genständen und Bek­lei­dung zu ei­nem zwei­ten Le­ben. Mit un­se­ren 37 Hen­ry Läden scho­nen wir Res­sour­cen und schaf­fen gleic­hzei­tig leis­tba­re Mo­de für die Men­schen in un­se­rem Bun­des­land. Mit dem Pi­lot­pro­jekt ge­hen wir nun ei­nen wic­hti­gen Schritt wei­ter: Wir wol­len he­raus­fin­den, wie auch je­ne Tex­ti­lien, die selbst nach meh­rfac­hen Ver­kauf­sver­suc­hen kei­ne Ab­neh­mer:in­nen fin­den, künftig möglichst hoc­hwer­tig im Kreis­lauf ge­hal­ten wer­den können.“

Andreas Opelt, CEO Sauber­macher: „Kreis­lauf­wirt­schaft ist Team­play und ge­lingt nur, wenn un­ter­schied­lic­he Part­ner zu­sam­men­kom­men. Das Ro­te Kreuz bringt jah­re­lan­ge Er­fah­rung im Be­reich Reu­se mit, Sau­ber­mac­her sein Know-how in Ma­te­ria­la­na­ly­se und Re­cyc­ling. Im ge­mein­sa­men Pi­lot­pro­jekt wol­len wir be­las­tba­re Da­ten ge­win­nen, wel­che Tex­ti­lien sich für wel­chen Re­cyc­lin­gweg eig­nen und wo die tec­hnis­chen und wir­tschaf­tlic­hen Gren­zen lie­gen. Die ge­won­nen Er­ken­ntnis­se brin­gen uns der tex­ti­len Kreis­lauf­wir­tschaft wie­der ei­nen Schritt näher.“

Eva-Maria Wurzer, Business Development Textilien Saubermacher: „Die größte Her­aus­for­de­rung im Tex­til­re­cyc­ling liegt in der Viel­falt der Ma­te­ria­lien. Baum­wol­le, Po­lyes­ter, Mis­chge­we­be o­der Fa­sern mit un­ter­schied­lic­hen Qua­litäten las­sen sich nicht über ei­nen ein­zi­gen Pro­zess ver­wer­ten. Mit dem Pi­lot­pro­jekt schaf­fen wir ei­ne be­las­tba­re Da­ten­grun­dla­ge für die­sen Tex­til­strom aus den Hen­ry Läden. So können wir kon­kret ein­schätzen, wel­cher An­teil für Re­use, Clo­sed-Loop- und für O­pen-Loop-An­wen­dun­gen geeig­net ist.“

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Junger Mann mit kurzen Haaren und verschränkten Armen sitzt in einem modernen Büro vor einem Tisch und lächelt in die Kamera – Fotocredit: Martina Majland